Die Staustufe bei Essen-Steele (die nicht fahrbar ist!) wird bequem in der Bootsrutsche umfahren.

Im vergangenen Sommer (2011) haben wir uns ein Schlauchboot zugelegt. Denn: Wir wollen aufs Wasser. Aufs Wasser, nicht bloß ans Wasser! Wir wollen möglichst viel Natur erleben. Wir wollen unabhängig sein von Standorten und Öffnungszeiten irgendwelcher Bootsvermietungen. Wir wollen möglichst unabhängig von logistischen Problemen sein (Anreise und Bootstransport). Und wir wollen ein Boot, mit dem wir recht schnell und möglichst unkompliziert aufs Wasser kommen.
Aber auch: Das Boot soll gutmütig sein. Das Boot muss auch mal was wegstecken können. Man will ja auch nicht bei „jeder Kleinigkeit“ gleich bang ums Boot sein. Und schließlich soll das Boot bei Ein- und Ausstiegen so wenig zickig sein wie insgesamt auf den Fahrten.

Die Gutmütigkeit unseres Bootes geht nicht zuletzt zurück auf den flachen Bootsboden. Da denkt man dann vielleicht schnell an einen schwerfälligen Frachter – insbesondere, wenn man auch noch ein Schlauchboot vor dem geistigen Auge sieht. Da ahnt, wer schon einmal ein Schlauchboot gesehen hat, dass derjenige die Schlauchwalze schwerfällig über das Wasser schiebt, den Kraft und Ehrgeiz nicht verlassen. Und dem Kraftlosen bleibt, mit Geduld auf Wind oder Strömung zu hoffen? Oder daran zu verzweifeln?
Nichts davon!
Nicht mit einem Luftkajak von ADVANCED ELEMENTS! Ein AE hat Aluminium-Rahmen an Bug
und Heck, mit denen der äußeren Bootshülle eine echte Bootsform verliehen wird. So schneidet sich ein AE durch die Wasserlinie... eben, wie ein „echtes“ Boot.

Boot klarmachen für die Fahrt.

Schon mit leichten Paddelschlägen „läuft“ das Boot gemächlich durchs Wasser, schneidet die Oberfläche und gleitet in unhektischer Schleichfahrt dahin, um die ganz entspannte Beobachtung und den friedlichen Genuss der Natur zu ermöglichen. Mit geringem Tiefgang ist das Boot auch in flachen Gewässern noch weiter reichend ein treuer Begleiter, als man vielleicht erahnen mag, wenn man die beachtliche Tragfähigkeit des Bootes mit 250 kg im Hinterkopf hat.
Die achtbare Länge des Bootes sorgt mit 4,60 m für einen schönen Geradeauslauf.
Wir haben uns als Sonderausstattung den so genannten „Back Bone“ gleich dazu gekauft. Der hat manche Vorteile gegenüber dem Boot ohne diese Versteifung. Zu allererst natürlich den der starren Kiellinie. Der Back Bone wird mit schaufelähnlichen Auflageflächen an Bug und Heck unter den Schlauch des locker angepumpten Bootes platziert, exakt ausgerichtet – und bleibt zuverlässig in Position, wenn er im voll aufgepumpten Boot erst einmal eingeklemmt ist zwischen Schlauch und Außenhülle.

   Auch außerhalb der Boots-Saison zieht es aufs Wasser: Kurz nach Sonnenaufgang im November 2011 auf der Ruhr.


Zum Thema des Back Bones gleich einen Tipp an dieser Stelle: Nehmen Sie sich Vaseline mit, um die Freude am Boot bis zum Wieder-Einpacken zu erhalten. Denn der Back Bone aus dickem und robustem Alu-Rohr, wegen der Transportierbarkeit in 5 Segmenten, wird mit simplen aber sehr stabilen Steckverbindungen zusammengefügt. Da können am Ende einer Fahrt – Metall auf Metall – die Verbindungen einander schon mal sehr „anhänglich“ sein: Die erste Verbindung zu lösen, um den Back Bone aus dem Boot zu bekommen, gewinnt schnell den Beigeschmack einer Verzweiflungstat. Gut geschmiert mit dem zähen Schmiermittel Vaseline, das einem weiten Temperatur-Spektrum gewachsen ist, bekommt man die Segmente ganz spielend wieder auseinander!


Wenn man den Back Bone ausgerichtet hat, und ehe man das Boot zuende aufpumpt, bringt man noch die aufblasbare Sitzdecke an seinen Platz, danach die Persenning – dann erst geht es wieder an die Luftpumpe.
Die Sitzdecke lässt sich am besten einbringen, wenn man die ebenfalls etwas angepumpt hat, um ihr eine Grundfestigkeit zu geben. Voll aufgepumpt wird die Sitzdecke aber erst, nachdem das Boot selbst aufgepumpt ist. So wird schließlich die Sitzdecke von dem Back Bone getragen. Der zweite große Vorteil des Back Bones: Man sitzt nicht auf der Boots-Außenhülle, sondern quasi auf dem „Rückgrat“ des Bootes – ohne dass man beim Sitzen den Back Bone spürt. So behält das Boot auch unter Belastung seine gerade Kiellinie: Die Paddler hängen nicht in den Bootsboden hinein durch.

Die Ruhr nahe Wetter im Hochsommer.

Spätestens wenn Sie bei stärkeren Winden auf einem offenen See oder auf einem Flussabschnitt gut mit oder gegen den Wind auf Linie liegen – und somit in steten und kräftigen Wellen fahren – dann macht sich der Back Bone richtig für Sie stark. Oder wenn Sie einen kräftigen Schwall durchfahren, dann hält der Back Bone das Boot auf seiner gesamten Länge gerade und stabil. Sie schwappen nicht mit den Wellen, Hinterteil um Hinterteil im durchgekneteten Gummiboot, über das Wasser, sondern stechen dynamisch durch Wellen und Schwälle. 

Ohne Ideal-Bedingungen mal eben allein durch die Stromschnelle: Mit der 1er-Persenning sitzt man eher mittig - mit 2er-Perselling allein in der hinteren Position reagiert das Boot mit zu leichter Nase natürlich etwas „zickig“.

Wenn Sie doch mal 2 oder 3 satte Schüppen Wasser ins Boot bekommen haben, dann spielt das Boot einen weiteren Pluspunkt aus, der konstruktionsbedingt ist. Wenn z. B. hinter einem schönen langgezogenen Schwall (den das Boot gelassen und trocken durchlaufen hat) endlich in den Wirbeln die Wasser über dem Boot zusammenschlagen, dann hält bei offenen Sitzluken auch die Perselling nicht mehr alles ab. Da mag man sich einen Schwall vorher angesehen haben, um die Befahrbarkeit zu bewerten. Oder man mag einen Schwall bei anderem Wasserstand  kennen gelernt haben. Wir haben auch daran lernen müssen – und uns inzwischen für solche Fälle zusätzliche Spritzdecken zugelegt, mit denen sich die Luken schließen lassen.
Das meiste Wasser aber sammelt sich unter der Sitzdecke. Legen Sie eine Pause ein. Aussteigen, die Sitzkissen heraus nehmen und das Wasser auf der Sitzdecke abwischen. Legen Sie die Sitzkissen offen in Wind oder am besten praller Sonne aus – und gönnen Sie sich Ruhe, Verpflegung oder wonach ihnen sonst ist. Unter günstigsten Bedingungen sind die Kissen nach einer dreiviertel Stunde wieder trocken, und das Boot auch. Das Wasser unter der Sitzdecke beeinträchtigt ihre Weiterfahrt nicht, und Sie sitzen auch während der weiteren Fahrt trocken! Denn der Back Bone schafft Raum für manchen Liter Wasser zwischen Bootsboden und Sitzdecke, ohne die Fahrtüchtigkeit des AE zu beeinträchtigen.

Tour beendet: Jetzt geht‘s ans Einpacken.

Und als einmal in Wesel an der Lippe ein anderer Kanute am Ausstieg neugierig zu uns stieß und meinte: „Jetzt muss ich mir doch erst einmal Ihr komisches Boot ansehen“, da wurde schon deutlich, dass der Fremde dem „fremdartigen“ Boot mit Respekt begegnete. Mit ehrlichem Interesse inspizierte er das Boot, fragte uns nach unseren Erfahrungen mit dem Boot aus und staunte nicht schlecht über unsere Reisezeit für die zurückliegende Strecke. Er hatte soeben solide Hartschalen auf seinem Bootsanhänger verstaut...
Sie wollen es einfach mal wissen? Oder Sie müssen mal eine Gruppe von zahlreichen Kanuten hinter sich lassen, die nur ausgelassen und lautstark den Spaß am Wasser als solchem suchen? Sie verschwenden keine Kraft am Paddel: Ein AE nimmt ohne Murren richtig gut Fahrt auf. Da lässt sich auch mal Strecke machen.
Wir sind rundherum zufrieden mit unserem LUFTKAJAK von ADVANCED ELEMENTS, der mal so ganz locker in den kleinen Kofferraum passt. Der sich auch mit Bus und Bahn zufrieden gibt (z. B. für die Rückfahrt vom Ausstiegs- zum Einsetzpunkt). Der auch Anmärsche zu Fuß erlaubt, wenn nur der Weg noch halbwegs mit einer Einachse befahrbar ist (da hilft auch schon mal ein einfacher Trolly aus dem Baumarkt!). Denn das „Air Flex Advanced Frame Convertible“ muss man nicht unbedingt weiter schleppen als nötig: 26 kg Eigengewicht (incl. Persenning, aber noch ohne Back Bone!) sind der Robustheit des Bootes geschuldet. Da schlägt nicht zuletzt die schwere Textilie des Unterbodens zu Buche, so dass das Boot wirklich eine Menge klaglos wegstecken kann. Für einen 2er ist das Boot damit aber auch nicht wirklich schwer und im fahrbereiten Zustand zu zweit sehr gut zu handhaben. - Dennoch ist eine Transporthilfe für die Wege zum Einstieg oder vom Ausstieg sehr willkommen. 

Bei einem solchen Walzenwehr (hier die Rur im Raum Heinsberg/Wassenberg) ist Schluss mit lustig:                     Hier wird wohl oder übel umtragen! Aber die Rur bietet auch schöne, naturnahe Schwälle,                                                die sich mit etwas Geschick und viel Spaß gut und gefahrlos nehmen lassen.

Wer alleine fährt, oder wer die Zweisamkeit lieber in zwei Einern genießt, der ist mit den kleineren und leichteren Booten von Advanced Elements natürlich noch einmal ein Stück freier... Das soll aber bitte nicht als Aufruf missverstanden werden, sich immer und überall nach freiem Belieben auszutoben: Gesperrte Schutzgebiete sollten dennoch respektiert werden, und nicht jeder Abschnitt eines Gewässers ist – vor allem zur Brutzeit – geeignet, um den eigenen Bewegungsdrang abzuarbeiten. Bei aller Unabhängigkeit mit dem Schlauchkajak hat natürlich die Natur erst einmal Vorrang – sei es, dass man auf die Befahrung bestimmter Fluss- oder Seeabschnitte verzichtet, sei es, dass man sich mal in Schleichfahrt rücksichtsvoll zurücknimmt und möglichst wenig stört.
Die Gutmütigkeit ebenso wie die Robustheit haben wir dem Boot schon in der ganzen Bandbreite abgerungen – und sind nicht enttäuscht worden. Mit einzelnen Anforderungen der Wildwasser-klasse 2 und bei teils dramatisch knappen Wasserständen (Frühsommer und Spätherbst 2011) hat uns das Boot seine Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt! Auf ruhigen Gewässern liegt es treu, ist schon mit geringsten Paddelbewegungen ansprechbar und nimmt recht spontan richtig Fahrt auf. Über zügige Stromschnellen und satte Schwälle trägt das Boot souverän hinweg und spielt seine leichte Manövrierbarkeit auch im schnellen Wasser voll aus.

•••                                                                                                                                                                               Zum Spaßfaktor sei angemerkt: Sparen Sie nicht an der falschen Stelle. Wir hatten es zuvor mit einem SEVYLOR YUKON probiert, das der Hersteller vollmundig als „Tourenboot“ bezeichnet. Da gibt es auch eine hohe Zuladung – und einen Packsack, der schon einiges fasst, und das auch wasserdicht. Aber das reicht nicht, um ein tourentaugliches Boot anbieten zu können.

Allein mit seinem bauchigen Bug vergleicht sich das Sevylor Yukon kläglich mit dem AE Air Flex, da das auch ein Tourenboot sein will.

Nicht wasserdicht sind die 2 Lenz-Ventile an der Unterseite des Bootes. Die sind ein großes Handicap – und die absoluten Spaßkiller für jeden, der auch ein „Tourenboot“ erwartet. Denn diese Ventile sollen eigentlich erleichtern, Wasser abzulassen, das ins Boot eingedrungen ist. Aber sobald Sie das Boot besteigen, ist der Wasserdruck auf die nur gesteckten Ventile (da ist nichts geschraubt, und es gibt keinen zusätzlichen Dichtungsring) einfach zu groß: Da dringt von unten allmählich und permanent verdammt viel Wasser ins Boot. Wassersport hin und Wasserspaß her: Man fährt ja nicht Boot, um Wasser zu sammeln.                                                                                        Auch erlebt man hier den Begriff "Schlauchboot" allzu wörtlich: Man spürt sehr gut, wie das ganze Boot im Spiel der Wellen geschaukelt und geknetet wird, wie Wellen von vorn nach hinten rollen, wie erst der Vorder-, dann der Hintermann mitwippt. Und spätestens im Wellengang macht sich auch die runde Schlauchwalze, die beim SEVYLOR YUKON das Bug bildet, mit seiner Schwer-fälligkeit bemerkbar: Im Schneckentempo ging es böigen Winden entgegen und verlangte körperlich fast alles ab. – Zum Vergleich: Mit dem ADVANCED ELEMENTS bin ich allein und in der Einer-Ausstattung bei Winden von böig wechselnd 4- 5 bft mit 6 bis 7 km/h längs über Seen kilometerweit gegen den Wind gefahren – ohne systematisches Paddeltraining, und dennoch ohne hart am Rande der Kraft zu stehen!! Da könnte sich ein SEVYLOR YUKON, hätte es ein eigenes Bewusstsein, nur schamgerötet am Ufer verstecken! –
Desweiteren ist das Boot großzügig offen. Damit – und mit der ebenfalls bei etwa 250 kg liegenden Tragfähigkeit – können Sie auch mit den Sevylor Yukon „2+1“ (= 2 Erwachsene + 1 Kind) fahren. Aber es fehlt an der Vielseitigkeit des Bootes, die man z. B. mit dem Air Flex von Advanced Elements (mit Persenning - und 1er-Persenning ist dabei (!) - und ggf. noch hinzu gekaufter Spritzdecke, um die Luken ganz schließen zu können) voll auskosten kann.
Dann mal ran ans Paddel. Mit dem berüchtigten runden Bug wirft sich das Sevylor Yukon auch wie ein Schlauchboot in Wasser und Wellen. Das reicht für einen nassen Sommerspaß auf kurzer Strecke. Aber schöne „Touren“ kann man mit diesem Boot nicht versprechen – was Sevylor als Hersteller kühn in Aussicht zu stellen... und nicht zu halten gelingt. Das Sevylor Yukon ist eher geeignet als Badeboot – und garantiert nicht die richtige Wahl für jeden, der in erster Linie Wanderfahrten (Stichwort: Touren) machen will.                                                                                         •••


Das AE Air Flex mit Einer-Persenning: Den Bootswagen gibt es auch gleich beim Kayaker-Vertrieb, damit die Um- tragung auch klappt, wenn man allein unterwegs ist (hier auf der Ruhr bei der Umtragung des Kraftwerks West- hofen). – Bei längeren Umtragungen ist der Bootswagen nicht weniger hilfreich, auch wenn man zu zweit tourt.                                                                                                                                                                                                      Zugegeben: Selbst die Ruhr, die in weiten Bereichen eine wirklich gute Infrastruktur für Bootsfahrer bietet, ist nicht überall gut dafür ausgelegt, dass man sich mit einem großen und schweren Boot allein auf den Weg macht. So sollte man für den Start und das Ende der Reise Vereine mit guten Bootsanlegern auswählen. Die Umtragungen auf der Tour, z. B. an den Wehranlagen, sind nicht immer so optimal ausgelegt und dann auch schon mal recht mühsam. Mit diesem Boot allein zu fahren, bedarf einer etwas besseren Planung und auf jeden Fall eines Bootswagens – zu zweit ist man natürlich ein gutes Stück freier und improvisationsfähiger.                                      

                     Nach der Umtragung am Wehr bei Essen-Horst wieder startklar. Am 21. November war die Bootsrutsche               außer Betrieb: Die Saison ist "offiziell" zuende. Wer allein tourt, kommt ohne Bootswagen nicht zurecht.

Aber wenn man mit diesem Boot erst einmal auf dem Wasser ist, dann macht es auch allein einfach nur Spaß! Und die beachtliche Länge des Bootes ist für die Fahrt allein noch einmal mehr von Vorteil für einen schönen Geradeauslauf.

So kurz und so freundlich, wie diese Bootsrutsche bei Bochum-Dahlhausen sind nicht alle Bootsrutschen in der Ruhr: Mit der Bootsrutsche in Hattingen übt man schon mal das Nasswerden – für den schön angelegten Schwall unter dem Isenberg!

Wenn es so viel Unabhängigkeit ist. Wenn es eine so große Vielseitigkeit und Leichtläufigkeit, so viel Gutmütigkeit und Robustheit ist. Wenn es trotz Schlauch so viel Boot ist. Und wenn das alles in einem einzigen Boot steckt – dann ist das ein ADVANCED ELEMENTS!
Beim KAYAKER VERTRIEB in DORSTEN – die haben die guten Preise + den guten Service – können Sie die Boote auch gleich „hinter dem Haus“ mal testen! Und „hinter dem Haus“ ist hier wörtlich zu nehmen: Nicht im Planschbecken, sondern auf dem Wesel-Datteln-Kanal (regional hört der auch schon mal auf „Lippe-Seitenkanal“).

Pause im Grünen…